Filmkritik zu “The Hateful 8”: Quentin Tarantino und seine acht hasserfüllten Figuren

Filmkritik zu “The Hateful 8”: Quentin Tarantino und seine acht hasserfüllten Figuren

30. Mai 2016 0 Von chill-mit-film.de

Quentin Tarantino, für einige der Meister der Filmkunst, präsentiert mit dem Western “The Hateful 8” seinen aktuellsten Film, der ab heute als Blu-ray und DVD im Handel erschien. Mit “Django Unchained” hat er im Jahr 2012 bereits Publikum und Kritiker begeistert. Etwas gespaltener sind nun die Meinungen zu “The Hateful 8”. Während die einen diesen Film himmelhoch loben und sich vor Tarantino wieder einmal verbeugen, gibt es noch die andere Seite, die dieses Werk als zu träge, zu langatmig und spannungsarm findet.

Natürlich besitzt jeder Film verschiedene Kritiken. Doch speziell bei “The Hateful 8” sind mir immens viele unterschiedliche Rezensionen aufgefallen – von “der beste Tarantino-Film” bis hin zu “Tarantinos innovationsloses Schnarch-Western”.

Der Kurzinhalt zum Film wird wie folgt beschrieben: Wyoming, einige Jahre nach dem amerikanischen Bürgerkrieg: Eine Kutsche bahnt sich mühsam ihren Weg durch den Schnee in Richtung der Stadt Red Rock. An Bord befinden sich der Kopfgeldjäger John „The Hangman“ Ruth (Kurt Russell), dessen Gefangene Daisy Domergue (Jennifer Jason Leigh) sowie der Anhalter Major Marquis Warren (Samuel L. Jackson), der früher Soldat war und nun ebenfalls als Kopfgeldjäger sein Geld verdient, und Chris Mannix (Walton Goggins), ein Deserteur aus den Südstaaten, der behauptet, der neue Sheriff der Stadt zu sein. Ein Schneesturm zwingt die Gruppe zu einem Zwischenstopp in Minnies Kleinwarenladen. Sie treffen dort zwar nicht auf Minnie aber dafür auf den mysteriösen Mexikaner Bon (Demian Bichir), auf den verschwiegenen Cowboy Joe Gage (Michael Madsen), auf den Konföderierten-General Sandford Smithers (Bruce Dern) sowie auf Oswaldo Mobray (Tim Roth). Während der Sturm draußen immer heftiger tobt, begreifen die acht Fremden, dass ihr Zusammentreffen vielleicht gar nicht so zufällig ist und sie Red Rock möglicherweise nie erreichen werden…

The Hateful Eight, © UNIVERSUM FILM GMBH

The Hateful Eight, © UNIVERSUM FILM GMBH

Wenn auch wenig zu sehen, wurden die Landschaftsaufnahmen perfekt eingefangen, was an den Original-Schauplätzen liegt. Dass der Film fast nur vom Dialog lebt, sollte sich jeder Zuschauer vor der Sichtung des Films im Klaren sein. Doch ist so gut wie jeder Tarantino-Film ein dialoglastiger Film. Mit einer Laufzeit von 167 Minuten spielt der Film fast ausschließlich in einer Kutsche und in Minnies Kleinwarenladen ab.

Langatmig und träge könnte man ins Gespräch werfen. Doch die messerscharfen Dialoge, die durch den gesamten Film über dominieren, lassen die überlange Filmlaufzeit schnell vergehen. In Michael Bays Version wäre der Film mit Sicherheit schon nach 60 Minuten und nach reichlich Schusswechsel vorbei. Doch Tarantino lässt sich Zeit und agiert wie ein Puppenspieler, der seine acht hasserfüllten Figuren Leben einhaucht. “The Hateful 8” ist wie, als würde man jemanden beim Schach Spielen zu sehen. In der ersten Hälfte dominieren Dialoggefechte, während in der zweiten Hälfte exzessive und blutige Schussgefechte herrschen.

So konnte der ein oder andere nicht ganz mit dieser Wende Anklang finden. Zudem ist der Film in Kapitel aufgeteilt. Auch hier verwundert sich so manch Zuschauer, dass man nach der Hälfte des Films plötzlich eine Off-Stimme (gesprochen von Quentin Tarantino) hört, während ein neuer Kapitel beginnt, die erzählt, was bisher geschah – was auch für mich völlig unerwartet und vielleicht auch etwas unpassend erschien.

Dass “The Hateful 8” ein sehr dialoglastiger Film ist, fast schon zu viel des Guten, stellte sich für mich doch als recht spannend heraus. Die Dialoggefechte, teils urkomisch, ist ein wichtiges Element, was diesen Film auch so besonders macht und den Tarantino-Stil unterstreicht.

The Hateful Eight, © UNIVERSUM FILM GMBH

The Hateful Eight, © UNIVERSUM FILM GMBH

Alles in einem ein typischer Tarantino-Film. Doch trotz all dem kann ich diesen Film nicht als Meisterwerk abstempeln. Zwar agieren in “The Hateful 8” großartige Darsteller wie Kurt Russell, Samuel L. Jackson, Tim Roth und Jennifer Jason Leigh, die für ihre Rolle mit einem Oscar nominiert wurde und allesamt wunderbar in die Rollen eintauchen; doch fehlten mir etwas die herausstechenden Darsteller, wie es Christoph Waltz und Leonardo DiCaprio in “Django Unchained” waren. Zudem kann ich mir durchaus vorstellen, dass Christoph Waltz die Rolle von Tim Roth zu Anfang übernehmen hätte sollen.

Doch präsentierte Roth sich ebenfalls brillierend in seiner, man möchte sagen, eigentlich für Christoph Waltz perfekt geschriebene Figur.

Schlussendlich hat mir die große Spannung im Film gefehlt. Die Figuren wurden großartig gespielt, auch wenn niemand einen starken bleibenden Eindruck hinterließ. Zudem gefiel mir die erste Hälfte des Films doch tatsächlich besser als die zweite Hälfte. So erschien mit der Showdown wie mit der Brechstange zu wirken. Die Wende ins Brutale war mir doch etwas zu gewollt und vielleicht auch vorhersehbar, wenn man die Tarantino-Filme kennt. Die großen Überraschungen und Wendungen blieben leider fast komplett aus.

Dennoch ist “The Hateful 8” noch immer ein Kammerspiel mit großartigen Darstellern, scharfzüngigen-herrlichen Dialogen, viel Liebe zum Detail und mit einem zweiten Akt versehen, der mit Splatter-Eigenschaften bestückt ist und somit den eigentlich perfekten Quentin Tarantino-Film liefert, auch wenn man bereits genau dieses Szenario etwas zu oft gesehen hat und der Film dadurch minimal vorhersehbar wirkt. Doch stimme ich zu, dass “The Hateful 8” Tarantinos lustigster Film ist. Da fällt mir speziell die Tür-schließen-Szene(n) ein, die nicht lustiger hätte sein können. Ich denke, mein größtes Problem bei diesem Film war, dass ich die ganz große Überraschung, die mich fassungslos zurücklässt, vermisst habe – gerade bei einem Kammerspiel wie diesem.

Chill-mit-Film.de Rating:

Stern1Stern1Stern1Stern1Stern1Stern1Stern1SternnullSternnullSternnull

7/10 “Ein Film mit einem großartigen, teilweise urkomischen Dialog und sehr gut funktionierenden Figuren. Doch der typische Tarantino-Stil macht diesen Film in einem geringen Grad vorhersehbar und frei von großen Überraschungen.” – chill-mit-film.de

[hr style=”single”]

The Hateful Eight, © UNIVERSUM FILM GMBH

The Hateful Eight, © UNIVERSUM FILM GMBH