Filmkritik zu “Knight of Cups”: Christian Bales Sinnsuche in Terrence Malicks neuem Kunstwerk

Filmkritik zu “Knight of Cups”: Christian Bales Sinnsuche in Terrence Malicks neuem Kunstwerk

20. Januar 2016 0 Von chill-mit-film.de

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Ein Poet, Dichter und Visionär – Terrence Malick kann so vieles sein. Mit seinem neuen Film “Knight of Cups” (DVD/Blu-ray Verkaufsstart: 14. Januar 2016) erzählt er vom erfolgreichen Autor Rick, der auf der Suche nach dem tieferen Sinn des Lebens ist. Dazu gehört auch die Liebe – die wahre Liebe zu finden. Auf seiner surrealen erscheinenden Reise trifft er auf viele Frauen, die ihn vielleicht zum Sinn des Lebens führen können. Zumindest erhofft er sich dies.

In der Hauptrolle brilliert Oscar-Preisträger Christian Bale, während Cate Blanchett, Freida Pinto, Teresa Palmer, Isabel Lucas, Imogen Poots und Natalie Portman die Frauen in Ricks Leben spielen. Weitere Rollen erhalten Antonio Banderas, Wes Bentley sowie Armin Mueller-Stahl und Brian Dennehy.

Es kam bereits des Öfteren vor, dass große angesehene Regisseure sich zu sehr in ihrer eigenen Kunst baden. “Knight of Cups” ist zweifelsohne ein eigenartiger Film. Bilder und Musik heben sich mehr als das Dialog vor. Der meiste Dialog wird im Voice-Off von Rick gesprochen. Direkte Gespräche unter den Figuren finden nur sehr selten statt. Stattdessen wird im Off vielmehr kommentiert und reflektiert. Christian Bale spricht meistens nur im Off und daher sind seine schauspielerischen Künste in der Mimik gefordert. Dies meistert er mit bravour. Ich würde meinen, Christian Bale beherrscht Lee Strasbergs ‘Method Acting’ sehr gekonnt und besitzt das Instrumentarium, um die Rolle in sich selbst zu finden und mit ihr zu verschmelzen. Die Aufnahmen erscheinen in einer GoPro-ähnlichen Optik und überzeugen in jeder Szene. Die hypnotischen Bilder, mit einem Hauch Esoterik, lassen diesen Film wie ein Kunstrausch wirken und dämmen leider etwas die Schauspieler und ihre darstellerischen Leistungen ab. Somit kommen die dort entstehenden Emotionen der Figuren nur bedingt auch beim Zuschauer an.

Und mir staute die Frage auf, wo der exakte Sinn dieses Films liegt? Wirkt dieser Film wie ein zwei-stündiger Werbespot ohne Produkt? Wirkt dieser Film wie ein Gedicht? Oder handelt es sich hierbei um die größte Kunst der Filmgeschichte?

Ich kann es den Leuten nicht verübeln, wenn sie sagen, dass sie nach 20 Minuten eingeschlafen sind, dass sie den Film nicht verstehen oder diese Art von Kunst nicht mögen. Und so weiß ich nicht recht, aus welchen Blickwinkel ich diesen Film betrachten soll.

Sehr gut eingefangen wurde gleich zu Beginn des Films das Erdbeben, welches die zerrüttelte Seele von Rick darstellen soll. Diese Metaphern werden wie im Fließband dargeboten, mit einer hypnotisch-magischen Flut von Bilder und Musik. Eine gerade Story gibt es in diesem Film nicht. Stattdessen werden die Szenen fragmentarisch eingeführt, was den gesamten Fillm wie ein Puzzle aus unzählig fehlenden Teilen aussehen lässt, die wir metaphorisch in unseren Gedanken selbst hinzufügen müssen.

Ist Tom Hoopers “Les Misérables” ein Kunstwerk? Natürlich. Doch auch dort geht es um Geschmacksache. Mögen es die Menschen ein 158-minütiges Musical mit Dauergesang anzuschauen? Einige mit Sicherheit. Auch wenn ich “Les Misérables” als Meisterwerk betrachte, war der Grad zwischen “zu anstrengend” und “perfekt” sehr schmal.

Bei “Knight of Cups” ist ein ähnlicher Grad vorhanden. Träumerische und surreal wirkende Filme sind mir immer willkommen. So überzeugte mich der Film “Under the Skin – Tödliche Verführung” mit Scarlett Johansson sehr. Doch “Knight of Cups” jongliert mit der Spiritualität, den Metaphern, mit der Poesie und mit der Surrealität durch den gesamten Film hindurch, was auf dieser langen Dauer etwas ‘to much’ erscheint.

Natürlich kann man diesen Film auch einfach in seiner künstlerischen Gesamtheit genießen, ohne dabei die geheimen Botschaften zwanghaft zu ergründen. “Knight of Cups” ist ein Film, der nicht wirlkich ein Film, sondern vielmehr ein Kunstwerk ist, welches sich für einige als atemberaubend und für andere eine als bittere Zeitverschwendung entpuppt.

Ich kann diesen Film leider nicht himmelhoch loben, ihn jedoch auch nicht als schlechten Film abstempeln. Wer sich direkte Dialoge zwischen den Figuren sowie eine geradlinig-erzählte Story erhofft, sollte sich diesen Film mit Vorsicht anschauen. Wer die Kunst der Bildsprache sowie gute musikalische Untermalung und metaphorische Elemente in einem Film schätzt, könnte hiermit Anklang finden.

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6/10 “Ein Kunstwerk der Bildsprache, welches nicht alle Geschmäcker begeistern wird.” – chill-mit-film.de