Filmkritik zu „Bone Tomahawk“: Kannibalismus und Anti-Helden im dreckigen Western

[espro-slider id=9637]

Mit dem neuen Western-Horror „Bone Tomahawk“ (DVD/Blu-ray Verkaufsstart: 21. Januar 2016) feiert S. Craig Zahler sein Regiedebüt. Der Film spielt sich im Jahr 1800 ab. Irgendwo in der Nähe der Grenze zwischen Texas und Mexiko. Unwissentlich führt ein Gesetzloser eine Gruppe kannibalischer Höhlenbewohner in die friedliche Western-Stadt Bright Hope. Nach und nach scheinen die Siedler der Stadt zu verschwinden, so auch die Frau des örtlichen Rinderbarons. Dieser begibt sich, trotz seines verletzten Beins, gemeinsam mit dem Sheriff, mit dem alternden Deuputy und einem zu allem entschlossenen Revolverhelden auf Rettungsmission. Der lange Marsch beinhaltet viele Gefahren voller Brutalität und Grausamkeit…

Der Film, der ’nur‘ ein Budget von 1,8 Millionen Dollar hatte, zeigt sich mit einem erstaunlich starken Cast: Kurt Russell („The Hateful Eight„), Patrick Wilson („Fargo“, „The Conjuring 2„), Richard Jenkins („Ein Sommer in New York – The Visitor“) sowie Matthew Fox („Lost“) und Lili Simmons („Banshee: Small Town. Big Secrets.“).

Wer hier auf Dauer-Action und stetigen blutigen Horror aus ist, sollte diesen Film mit Vorsicht genießen. „Bone Tomahawk“ ist ein ruhiger Film, der es zu verstehen weiß, wie man eine Spannung aufbaut. Besonders hervorgehoben werden die Figuren, die ebenso erstaunlich gut dargestellt werden. Patrick Wilson macht eine großartige Leistung. Auch Matthew Fox ist in seinem Element. Grundsätzlich sehe ich Matthew Fox als einen sehr guten Schauspieler an, der leider nach „Lost“ nie die ganz großen Rollen bekam. Ich kann mich jedoch erinnern, wie er in einem Interview sagte, dass er unbedingt mal in einem Western mitspielen wolle. Dies geschah nun endlich mit „Bone Tomahawk“.

Die Figuren des Films präsentieren sich nicht als raue und unkaputtbare Westernhelden. Stattdessen trägt jeder sein eigenes Päckchen mit sich: Patrick Wilson mit verwundetem Bein und zu großer Willensstärke. Richard Jenkins als gealterter Deputy, der vieles in Frage stellt kaum eine Waffe führen kann und mit seiner Art humoristisch veranlagt ist. Dann Matthew Fox, der allwissende Revolverheld in schickem Outfit, der durch seine Art teils unfreiwillig lustig erscheint. Zu guter Letzt zeigt sich Kurt Russell, ein Sheriff, der für Gerechtigkeit und für das Gesetz sowie für klares Denken bekannt ist. Diese sehr unausgeglichene Gruppe unterhält allein durch die Dialoge zwischen ihnen.

Und es ist schon wirklich eine kleine Traurigkeit, wenn man heutzutage gute Dialoge zu schätzen weiß. Denn die größte Stärke von „Bone Tomahawk“ ist das Drehbuch, das sich sehr um die Figuren kümmert. Das geringe Budget des Films macht sich nur dezent bemerkbar, was wiederum etwas Gutes ist. So heben sich die wirklich guten Darsteller in einem angehauchten B-Movie wirkenden Western hervor, der daraufhin wie ein Kult-Klassiker erscheint. Man könnte meinen, der Film sei ein Klassiker, der erst heute veröffentlicht und digital remastered wurde.

Rückblickend erkenne ich in „Bone Tomahawk“ viele Elemente, die diesen Film so besonders erscheinen lassen. Die großartige Besetzung, mit gutem Dialog, gut platzierten Horror-Elementen und der gelungene Aufbau der Spannung – all dies in einem Low-Budget Western, der mit einer Brise von B-Movie und Gore-Elementen schon fast perfektioniert wird. Wichtig anzumerken ist auch, dass der Film hier in Deutschland als ungeschnittene Fassung erschien, was gerade bei so einer Art von Film ein wichtiger Faktor ist.

Man könnte meinen, „Bone Tomahawk“ sei von Quentin Tarantino und dem ‚King of B-Movies‘ Roger Corman inszeniert worden – wobei dies ein sehr vager, aber dennoch interessanter Gedanke ist. Und umso mehr sticht dieser Film mit einer immensen Einzigartigkeit und Originalität hervor, die man heutzutage in Hollywood vermisst. Kleine Abzüge gibt es dennoch. So erscheint der Film mit seinen 2 Stunden etwas langatmig, aus meiner Sicht jedoch nur sehr minimal. Zudem sollte man versuchen, sich nicht den Trailer des Films anzusehen, da dieser vielleicht doch etwas zu viel verrät.

Chill-mit-Film.de Rating:

Stern1Stern1Stern1Stern1Stern1Stern1Stern1Stern1SternnullSternnull

8/10 „Ein origineller Western mit B-Movie-Anklang, Horror-/Gore-Elementen, einem Hauch Humor und einem tollen Dialog.“ – chill-mit-film.de

Über den Autor


Hallo, ich bin ein Blogger seit 2011 und habe schon vieles geschrieben. Doch meine größte Leidenschaft sind Filme. Deshalb darf ich euch auf meinem Hauptblog willkommen heißen!